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St.Galler Tagblatt: Stadt verzichtet auf Gasförderung

Bohrloch «St. Gallen GT-1»: Gasförderung aus einer Tiefe von 4450 Metern ist hier wirtschaftlich nicht sinnvoll, wie ein Postulatsbericht jetzt zeigt. (Bild: Urs Bucher)

15.04.2016: Die Förderung von Erdgas im Sittertobel durch das 4450 Meter tiefe Bohrloch «St. Gallen GT-1» ist wirtschaftlich nicht sinnvoll, wie ein Postulatsbericht zeigt. Der Stadtrat wird keinen Antrag stellen, in eine Erdgasförderung zu investieren.

Daniel Wirth (St.Galler Tagblatt)

ST.GALLEN. Wegen des Erdbebenrisikos und der zu geringen Menge förderbaren heissen Wassers wurde das geplante Geothermieprojekt im Mai 2014 eingestellt. Seither werden alternative Nutzungsmöglichkeiten der Tiefbohrung «St. Gallen GT-1» geprüft. Dazu zählen eine allfällige Gasförderung sowie die Forschung (siehe Zweittext «Für Forschungszwecke?»). Die Prüfungsergebnisse hinsichtlich einer allfälligen Gasförderung liegen nun in Form eines Postulatsberichts vor, den das Stadtparlament voraussichtlich an seiner Sitzung vom 3. Mai behandeln wird. Das Ergebnis der vertieften Abklärung ist deutlich: Eine Förderung von Erdgas im Sittertobel ist wirtschaftlich nicht sinnvoll. «Deshalb verzichtet der Stadtrat darauf, dem Parlament die Förderung von Erdgas zu beantragen», kommentiert Stadtrat Peter Jans, Vorsteher der Direktion Technische Betriebe, den Bericht. Das Postulat «Erdgas-Chance nicht verpassen» hatten die beiden SVP-Stadtparlamentarier Jürg Brunner und René Neuweiler im Februar vergangenen Jahres eingereicht. Peter Jans sagt, er verstehe, dass man angesichts der getätigten Investitionen ins Geothermieprojekt nichts ungeprüft lassen wolle; doch jetzt liege ein klares Ergebnis auf dem Tisch.

Hohe Investitionskosten...
Total würden sich die geschätzten Investitionen für eine Gasförderung inklusive der Installationen für eine Einspeisung ins städtische Netz auf mindestens 6,5 Millionen Franken belaufen, wie aus dem Bericht hervorgeht. Genau gleich viel würden Langzeittests mit Einspeisung von Erdgas ins Netz kosten, wobei eine anschliessende Gasförderung ohne weitere relevante Investitionen möglich wären.

Um bereits vor einem möglichen Langzeittest eine erste Abschätzung der Grösse des über «St. Gallen GT-1» erschlossenen Gasreservoirs zu erhalten, zogen die St. Galler Stadtwerke vier Experten aus der Schweiz, Deutschland, Holland und den USA bei. Aufgrund der Expertisen dieser Fachleute geht der Stadtrat gemäss Bericht davon aus, dass im besten Fall zehn Millionen Normkubikmeter Erdgas gefördert werden könnten.

...bei geringem Ertrag
So wären damit unter den aktuellen Rahmenbedingungen Erträge von rund 3,5 Millionen Franken zu erzielen. Diese deckten rund die Hälfte der geschätzten Investitionskosten. Der Stadtrat schreibt dazu: «Die Umsetzung eines Langzeittests zur fundierten Ermittlung des förderbaren Gasvolumens in der Tiefbohrung 'St. Gallen GT-1' sowie eine allfällige langfristige Gasförderung sind (...) aus wirtschaftlicher Sicht nicht sinnvoll.»

Es gibt auch keine Investoren
Die Stadtwerke prüften auch das Interesse potenzieller Investoren. Dabei kam es zur Kontaktaufnahme mit neun Partnern aus Europa, die in der Erdöl- und Erdgasexploration tätig sind. Sieben zeigten kein Interesse, zwei erteilten nach erweiterten Sondiergesprächen eine Absage. «Niemand sieht derzeit eine Chance auf eine wirtschaftliche Gasförderung», sagt Peter Jans.

Für das Geothermie- und Fernwärmeprojekt hatten die Stimmberechtigten 2010 einem Rahmenkredit von 159 Millionen Franken zugestimmt. Nach dem Abbruch des Projekts zahlte der Bund der Stadt 18,2 Millionen in Form einer Risikogarantie. Unter dem Strich kostete das Projekt die Stadt 42 Millionen Franken.

Quelle: www.tagblatt.ch/ostschweiz/stgallen/stadtstgallen/tb-ag/Stadt-verzichtet-auf-Gasfoerderung;art197,4589079

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